Was ist Liebe?

Es ist ganz und gar nicht einfach, eine Definition für Liebe zu finden. Es gibt viele verschiedene formale Definitionen, viele verschiedene Deutungsweisen und viele verschiedene Ansichten zu dem Thema. Worin sich aber alle einig sind: Das Thema ist zutiefst emotional besetzt.

Oxford Languages definiert Liebe als „starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen“ oder auch als „auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.“. Dies trifft es relativ auf den Punkt. Aber die Frage, die initial zu klären wäre: Wie kommen wir zu Liebe? Wo ist Liebe abgegrenzt von Verliebtheit?

Die Psychologie sagt, Liebe ist eine Emotionskategorie, also fallen darunter mehrere verwandte Emotionen. Eine Emotion ist definiert als ein Gefühl oder Gedanke, gepaart mit einer physiologischen Erregung. Diese kann naturgemäß erst auftreten, wenn man einen Menschen wirklich gut kennt, ihn und seine (Re-)Aktionen gut einschätzen kann. Alles, was davor passiert, ist Verliebtheit. Die Phase der „rosaroten Brille“, die Phase der „Wolke 7“. Diese kann sich lange, sehr lange hinziehen. Und dennoch wird die klare Grenze zwischen Liebe und verliebtheit damit nicht einfacher – klar ist nur: Liebe braucht Zeit.

Auf Twitter las ich mal, dass Liebe eine auf Dauerhaftigkeit ausgelegte Verbundenheit zu einem anderen Menschen sei (Quelle unbekannt). Das trifft es recht genau. Die Dauerhaftigkeit charakterisiert die Liebe. Sie charakterisiert aber auch eine Beziehung oder eine Ehe. Darum sind Liebe und Beziehung/Ehe eng miteinander verwoben und können oder sollten nicht alleine stehen, denn das ginge auf emotionaler Ebene nicht allzu lange gut.

„Liebe ist nicht die Art von Markt wo aufrechenbare Güter und Dienstleistungen entscheiden, außer ihr einigt euch auf eine Zweckbeziehung“ (@Drachinha, abgerufen am 25.9.2020). Auch das ist wahr. Liebe muss reziprok, also beidseitig sein. Ohne Reziprozität funktioniert es nicht. Und leider wird die mögliche Reziprozität zu oft durch (unter-)bewusst schnelle Entscheidungen frühzeitig zerstört:

Man muss dem Kennenlernen, man muss der Verliebtheit eine Chance geben – nur so kann man zur Liebe gelangen. Manchmal geht es schief, wenn die Chemie im persönlichen Treffen nicht passt – aber vor einem persönlichen Treffen Kontakt abzubrechen, finde ich persönlich sehr grenzwertig. Denn es könnte ja bspw. auch sein, dass die Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion des Gegenübers (bspw. durch Traumata) nachhaltig gestört ist, so dass das Bild, was sich im schriftlichen oder telefonischen Kontakt ergibt, nicht der Realität entspricht. Aber ja, das persönliche Treffen ist der kritische Punkt, auch wenn man durch Online-Dating evtl. den Halo-Effekt beim persönlichen Treffen ein wenig abschwächt (Psychologische Studien dazu sind mir leider keine bekannt).

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